"last minute" ist die Geschichte von Fredy Barmettler, der in einem Hotel in Amsterdam aufwacht, ohne sich zu erinnern, wie er dorthin gelangte. Dass sich im Badezimmer ein unbekannter Toter befindet, macht die Sache nicht einfacher.
Fredy macht sich auf die Suche nach Antworten. Dabei trifft er auf eine geheimnisvolle Frau, die manches über den Toten zu wissen scheint. Bald lösen sich die Trennlinien zwischen der Wirklichkeit und den Trugbildern auf und Fredy gerät in einen Strudel unheimlicher Ereignisse.
In "last minute" verwebt Roger Graf die Realität mit den Träumen zu einer irreführenden, irrwitzigen und spannenden Geschichte.
Rezension
"Ein faszinierendes Verwirrspiel von Einbildung und Wirklichkeit: 'last minute' hat mich zwei schlaflose Nächte gekostet. Roger Grafs neustes Werk ist eines jener Bücher, die man nicht einfach zur Seite legen kann. Ab dem ersten Satz beschäftigte mich die Frage, wie wohl Barmettlers abgründiger Amsterdam-Trip enden wird. Und was mich, der ich mein Herz an Amsterdam verloren habe, natürlich besonders freut: Ich habe 'meine' Stadt in jeder Zeile wieder erkannt."
Patrick Rohr, Journalist und Kommunikationsberater
Leseprobe
Als Erstes hörte er die Glockenschläge.
Schwere Glockenschläge in seiner Nähe. Zwei Stundenschläge und Tageslicht. Er sah zur Decke, schaute sich im Zimmer um und wunderte sich. Wie oft war er schon in einem Hotelzimmer aufgewacht und sofort war eine gewisse Vertrautheit da. Diesmal war nichts da. Er stand auf, spürte einen leichten Schwindel und stützte sich am kleinen Fernseher ab, der vor dem Bett stand. Das Zimmer war nicht besonders groß, die Ausstattung durchschnittlich. An der Wand ein Druck, zwei Engel, Michelangelo. Ein möglicher Hinweis. Florenz vielleicht? Weshalb aber war er in Florenz, weshalb war er in einem Hotelzimmer? Hingen nicht in unzähligen Hotelzimmern dieser Welt solche Drucke an den Wänden? Er schloss die Augen und hoffte darauf, dass die Erinnerung langsam zurückkehrte. Doch er sah sich nur in einer vertrauten Umgebung mit vertrauten Menschen. Nichts, das mit diesem Zimmer zu tun hatte. Als er sich wieder umsah, war das Zimmer noch immer kalt und abweisend, so als wäre es nicht für ihn bestimmt. Er vernahm ein dumpfes Geräusch aus einem anderen Raum und glaubte Stimmen zu hören. Oder war es nur eine Erinnerung an die vergangene Nacht? Ein Gespräch in einer Bar: Ein Mann und eine Frau, die sich auf Englisch unterhielten. Die Erinnerung verursachte Kopfschmerzen, heftige, pochende Kopfschmerzen. Er schnupperte an seinem Hemd. Parfüm und Zigarettenrauch. Neben dem Telefon stand eine Flasche Bier, halb leer, ein belgisches Bier. Kein Trinkglas. Aber ein weiterer Anhaltspunkt.
"She's wearing a red leather jacket."
Der Satz war da wie aus dem Nichts. Die Stimme klar, eine rauchige Frauenstimme und dazu ein Augenpaar, das ihn amüsiert musterte. In seiner Vorstellung sah er die Frau, hörte sie sprechen, verstand aber nichts, nur diesen einzigen albernen Satz über die Lederjacke. Er atmete tief ein und spürte wieder einen leichten Schwindel. In seinem Gaumen schmeckte er Magensäure, so als wäre er kurz davor, sich zu übergeben. Schon eine leichte Kopfbewegung verursachte einen durchdringenden Schmerz. Er überlegte, ob er Aspirin dabei hatte, doch allein der Gedanke war unsinnig, wusste er doch nicht einmal, weshalb er in diesem Zimmer war.
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Roger Graf wurde 1958 in Zürich geboren, durchlebte eine bewegte Kindheit und begann früh damit, Geschichten zu erfinden, zu erzählen und schliesslich zu schreiben. Ab 1989 beglückte er das Schweizer Publikum mit 274 haarsträubenden Fällen, die zu lösen er Philip Maloney überliess. Graf verfasste Erzählungen, Romane, Hörspiele, Theaterstücke.
Weitere Titel:
Stimmen der Nacht, 2008
Philip Maloney Hörspiele, in Vorbereitung
So geht das!, 2010 |